Bonsai: Pflege & schneiden für Anfänger

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Der Bonsai ist ein ganz besonders dekorativer Baum in Miniaturgröße. Der Name ″Bon-Sai″ kommt aus dem Japanischen und heißt übersetzt soviel wie ″Baum in der Schale″ oder ″Gepflanzt in einer Schale″. Und tatsächlich ähnelt der Bonsai in seiner Form einem großen Baum. Nur das der Bonsai selbst viel kleiner ist und meist nicht höher als einen Meter wird.

Überblick

  1. Faszination Bonsai: Die Kunst naturgetreue Bäume auf ein Minimum zu reduzieren!
  2. Bonsai: Wo kommt er ursprünglich her?
  3. Die Bonsai Pflege kann auch dem Anfänger Freude bereiten!
  4. Bonsai Pflege: So gelingt der Pflanzenbeschnitt auch Neulingen!
  5. Fortgeschrittene Bonsai Pflege: Wann spricht man beim Bonsai von drahten und spannen?
  6. Bewässerung: Wie viel Wasser braucht der Bonsai?
  7. Ist der Jadebaum Bonsai eine gute Einsteigerpflanze?
Der einzige Baum, der in eine Schale passt.

Der einzige Baum, der in eine Schale passt.(#01)

Faszination Bonsai: Die Kunst naturgetreue Bäume auf ein Minimum zu reduzieren

Die geringe Größe macht den Bonsai so charmant. Denn tatsächlich geht es darum einen ausgewachsenen Baum auf Miniaturgröße zu reduzieren und so Landschaften nachzubilden. Es gibt verschiedene Pflanzen, die sich für die Bonsai Pflege und Gestaltung eignen. So findet man in Bonsai Lexika nicht etwa die verwendete Pflanze. Die Namen bezeichnen die Art der Darstellung (Nachempfindung) an die jeweiligen in der Natur stehenden großen Vertreter.

Ein paar Beispiele sind hier kurz erläutert und in nachfolgender Grafik zu sehen.

Ikadabuki:

  • mehrere Stämme wachsen aus einem Wurzelsystem
  • dabei soll es einem umgestürzten Baum nachempfunden sein, aus dessen Wurzeln mehrere Stämme nachwachsen
  • diese Gestaltungsform wird auch Floß Form genannt und sollte mindestens aus fünf Stämmen bestehen
  • wobei der dickste und höchste Stamm nicht in der Mitte und auch nicht ganz außen stehen sollte

Fukinagashi:

  • japanische Bezeichnung für windgepeitschte Gestaltungsform
  • Vorbild sind Bäume, die ihre Wuchsrichtung durch starker Windaussetzung geformt haben
  • der Stamm sollte möglichst dick sein, entweder geradestehend oder bereits in Windrichtung geneigt
  • die Äste sind mehr oder weniger waagerecht ausgerichtet

Moyogi:

  • japanische Bezeichnung für eine frei aufrecht stehende Form
  • dabei verläuft der Stamm nicht komplett gerade nach oben, wie bei der streng aufrechten Form
  • die Bezeichnung ″frei aufrechte Form″ kommt durch den geschwungenen Stamm
  • vermutlich ist dies die am häufigsten verwendete Gestaltungsform bei der Bonsai Pflege.

Han Kengai:

  • Gestaltung eines Bonsai im Halbkaskaden-Stil
  • bei dieser Gestaltung neigt sich der Baum bis zum Schalen Boden ab, aber nicht darüber hinaus
  • meist ist der Stamm geschwungen, der unterste Ast neigt sich ab, während die oberen normal aufrecht wachsen
Diese Grafik zeigt vier Gestaltungs-Arten der Bonsai Pflege.

Diese Grafik zeigt vier Gestaltungs-Arten der Bonsai Pflege.(#02)

Bonsai: Wo kommt er ursprünglich her?

Das Wort ″Bon-Sai″ kommt zwar aus dem Japanischen, die Kunst Zwergbäume in kleinen Gefäßen zu ziehen stammt aber aus China. Ursprünglich wurde diese spezielle Technik, die sich Pun-tsai nennt, nur von der höher gestellten Gesellschaft angewendet. Bereits seit mehr als fünftausend Jahren stellen Chinesen flache Gefäße und Schüsseln her (genannt Pen, Pan oder Pun). Ziel der Bonsai Pflege ist es, sowohl Bäume als auch ganze Landschaften in Miniaturform nachzubilden.

Während der Kamakura-Periode (1185 – 1333) übernahmen die Japaner viele chinesische Kulturgüter und dabei auch die Kunst Zwergbäume in Töpfen zu halten. Die Bonsai Pflege hat eine lange Tradition. Viele der heute bekannten Techniken, Formen und verwendeten Werkzeuge wurden in Japan nach dem Vorbild der chinesischen Originalen entwickelt.

Video: Bonsai vom Sämling zum Bonsai Doku

Die Bonsai Pflege kann auch dem Anfänger Freude bereiten!

Die Bonsai Pflege ist leider nicht einfach. Ich selbst habe mit 12 einen Bonsai geschenkt bekommen. Mein erster Bonsai war ein Ficus ähnlich dem abgebildeten Exemplar. Ich fand ihn außergewöhnlich schön. Leider gab es zu dieser Zeit aber noch keine Tante Google, die ich hätte befragen können. Ein Buch brachte zwar etwas mehr Einblick, aber schlussendlich hat er es damals leider nicht überlebt. Die meisten kommen vermutlich auf ähnliche Weise zu ihrem ersten Bonsai.

Entweder bekommen sie ihn geschenkt und sind dementsprechend komplett ahnungslos. Oder sie verlieben sich im Gartencenter oder im Internet in einen Bonsai und kaufen diesen. Beide Varianten sind meist zum Scheitern verurteilt. Besser ist es, sich im Vorfeld sehr genau zu informieren. Es gibt diverse Webseiten und Blogs mit Tipps und Ratschlägen. In einschlägigen Foren oder Fachliteratur kann man sich ebenfalls belesen. Eines dieser Foren ist das Bonsai Fachforum: https://www.bonsai-fachforum.de

So ähnlich sah mein erstes Bonsai Exemplar aus.

So ähnlich sah mein erstes Bonsai Exemplar aus.(#05)

Es kommt auf viele verschiedene Faktoren an, ob die Bonsai Pflege gelingt oder nicht.

Hier ein paar der Wichtigsten zusammengefasst:

  • Bewässerung, weder zu viel noch zu wenig Wasser tut dem Bonsai gut
  • Zusammensetzung des Bodens und der richtige Dünger
  • Umwelt- und Lichteinflüsse am Standort. Nicht zu schattig aber auch nicht zu viel Sonne, Zugluft oder zu viel Regen. Bei all diesen Faktoren kann der Bonsai empfindlich reagieren
  • ebenfalls wichtig ist der richtige Schnitt zum richtigen Zeitpunkt und die Verwendung des geeigneten Werkzeuges
  • auch die Pflanzenart ist entscheidend. Es gibt ein paar Pflanzen, die eher kleinere Fehler verzeihen, als andere und deshalb als sogenannte ″Anfängerpflanzen″ genannt werden.
Bonsai Pflege aber richtig, auch schneiden will gelernt sein.

Bonsai Pflege aber richtig, auch schneiden will gelernt sein. (#03)

Bonsai Pflege: So gelingt der Pflanzenbeschnitt auch Neulingen!

Der Bonsai Schnitt ist eine kleine Wissenschaft für sich. Neben dem Stamm und der Wurzel können auch die Äste geschnitten oder gesägt werden. Das Laub kann ebenfalls geschnitten, oder auch pinziert werden. Um dem Bonsai eine Gestaltungsform zu geben, diese zu verbessern oder zu erhalten, kommt man um diese Arbeiten nicht herum.

Einsteiger kaufen meist eine gute Gartenschere und andere Gartenwerkzeuge für die Bonsai Pflege. Allerdings sind diese meist nicht auf die kleinen Bäume ausgelegt, sodass es zu Verletzungen am Stamm kommen kann. Für einen Bonsai ist das ausreichend. Wer aber richtig ins Bonsai Hobby einsteigen möchte, sollte sich besser gleich Bonsai-Werkzeug kaufen. Es gibt spezielle Bonsai Scheren in verschiedenen Größen. Sie sind meist aus schwarzem Stahl oder Edelstahl. Edelstahl ist etwas teurer, aber auch unempfindlicher gegen Rost als der schwarze Stahl.

Dabei sind die Scheren aus Japan meist hochwertiger als die in China hergestellten. Wichtig ist das die Scheren nicht zu viel Spiel haben und das sie scharf sind. Ist die Schere stumpf, wird der Bonsai nur gequetscht, anstatt geschnitten. Das wiederum führt zu Verletzungen des Baumes.

Eine Übersicht über verschiedene Scheren Größen und wofür sie verwendet werden:

So sieht eine spezielle Bonsai Schere aus.

So sieht eine spezielle Bonsai Schere aus.(#04)

  • Ast- und Stutzschere: für größere Exemplare und dickere Äste
  • große und breite Bonsaischere: die Griffe sind größer und so wird die Hebelkraftwirkung verstärkt. Für dickere Äste, Blätter und Knospen
  • kleine und schmale Bonsaischere: die sogenannte Einstiegsschere schneidet kleine und mittlere Äste, Blattschnitt und Knospen
  • Knospenschere: ist etwas länglicher und schmaler als die klassische Schere und dadurch fast nur für das Schneiden der Knospen nutzbar
  • Blattschneider: eine sehr schmale Schere, mit Selbstfederung. Durch die schmale Form bestens geeignet zum Blattschneiden, für Astschnitt zu schwach.

Geeignete Scheren sind sehr wichtig für die Bonsai Pflege. Aber wann und wie schneidet man den Bonsai? Macht man es überhaupt nicht, wird daraus irgendwann ein Busch oder normaler Baum. Denn nur durch den Schnitt wird der Baum zum Bonsai. In der Bonsai Pflege gibt es unterschiedliche Ansätze. Die auch daraus resultieren, ob man sich einen bereits fertigen Bonsai gekauft hat und diesen nun in der Form erhalten will. Oder ob man sich einen Baum gekauft hat, der seine Grundgestaltung zum Bonsai noch erhalten muss.

Bei ersterem wird meist nur ein leichter Rückschnitt durchgeführt. Bei der Grundgestaltung lässt man denn Laubbaum erst einmal richtig austreiben, bis die Äste dicker sind und schneidet dann weit zurück. Aus den kräftigen Rückschnitten entstehen Neutriebe. An deren Knospen schneidet man dann den Ast soweit zurück, bis er das gewünschte Erscheinungsbild erhält. Die Knospen zeigen die spätere Wuchsrichtung an.

Der Blattschnitt ist dazu da, die Blattgröße zu verringern und ist somit nicht bei allen Pflanzen sinnvoll. Da der Baum beim Laubaustrieb sehr viel Energie verbraucht, werden die neuen Blätter zwangsläufig kleiner.

Video: Kastanie Bonsai drahten Welt der Bonsai entdecken gestalten der kleinen Bäume

Fortgeschrittene Bonsai Pflege: Wann spricht man beim Bonsai von drahten und spannen?

Einen Bonsai zu schneiden gehört zu den normalen Aufgaben bei der Bonsai Pflege. Denn diese Aufgaben muss man auch bei der reinen Pflege und Erhaltung fertiger Bonsai durchführen. Etwas fortgeschrittener sind drahten und spannen.

Dabei verändert man das äußere Erscheinungsbild des Bonsai, um Äste und Stämme in die gewünschte Form zu bringen. Damit nimmt man Einfluss auf den Stamm und das komplette Erscheinungsbild des Baumes. Sollen beispielsweise die Äste des Bonsai nach unten wachsen, erreicht an dies mit drahten.

Diese beiden fortgeschrittenen Methoden in der Bonsai Pflege unterscheiden sich wie folgt:

drahten:

  • Aluminiumdraht ist einfacher zu biegen als Kupferdraht
  • nur Pflanzen verwenden, die keine empfindliche Borke haben
  • darauf achten, dass der Draht keine Verletzungen an Stamm oder Ästen verursacht
  • drahten kann man nur so lange, wie Stamm oder Äste noch biegsam sind
  • den Draht vorsichtig entfernen, sobald der Ast oder Stamm die gewünschte Form erzielt hat und nicht mehr in eine andere Richtung wächst

spannen:

  • lassen sich die Äste nicht mehr drahten, kann man diese durch spannen noch korrigieren
  • hierzu wird ein Ast mit Draht nach unten gebogen und dieser dann mit der Schale verbunden
  • mit einem Knebel, der den Draht aufdreht, kann man die gewünschte Spannung herbeiführen

Bewässerung: Wie viel Wasser braucht der Bonsai?

Tatsächlich gibt es keine festgelegten Regeln, was die Häufigkeit des Gießens anbelangt. Denn es hängt davon ab wir trocken die Erde und der Wurzelballen ist. Und das ist abhängig vom Substrat, der Temperatur und dem Durst der Pflanze.

Am besten geeignet ist Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser. Im Sommer kann es notwendig sein, zweimal täglich morgens und abends zu gießen. Vor allem, wenn die Pflanze im Garten steht und es tagsüber sonnig ist. Mit dem Gießen erst einmal sparsam zu sein ist besser. Denn Staunässe sollte bei der Bonsai Pflege unbedingt vermieden werden. Hat sich Wasser am Boden gesammelt, sollte es abgegossen werden.

Wenn man viel verreisen sollte und keinen freundlichen Nachbarn hat, sollte man sich das Bonsai Hobby gut überlegen. Denn ohne Wasser gehen die Pflanzen ein. Ein bis zwei Tage kann man überbrücken mit sogenannten Bewässerungsspikes. Das sind kleine Gefäße aus Ton, die nach und nach Wasser abgeben.

Man kann sie auf normale PET Flaschen mittels Adapter aufschrauben. Das ist eine günstige Bewässerungsmethode. In die PET-Flasche sollte man oben ein Loch einstechen. Und das Ganze unbedingt vor der Kurzreise testen. Und zwar nicht nur einmal. Denn weder gar kein Wasser, noch zu viel Wasser wären vorteilhaft.

So wird der Bonsai richtig gewässert.

So wird der Bonsai richtig gewässert.(#06)

Ist der Jadebaum Bonsai eine gute Einsteigerpflanze?

Ein sehr beliebter Bonsai ist der Jadebaum, durch seine Fähigkeit viel Wasser zu speichern, eignet er sich hervorragend als Einstiegs-Pflanze in die Bonsai Pflege

Der Jadebaum, auch

  • Pfennigbaum
  • Geldbaum
  • Dickblatt oder
  • botanisch Crassula

genannt, ist eine immergrüne Pflanze, die Wasser speichert. Der Ursprung liegt in Südafrika und in der Natur erreicht der Jadebaum eine Wuchshöhe von zwei bis drei Metern. Als Zimmer-Bonsai eignet er sich gut. Im Sommer kann und sollte man die Indoor-Pflanzen rausstellen, im Winter aber bitte wieder nach drinnen.

Frost kann der Jadebaum nicht aushalten, die Temperaturen sollten nicht unter sechs Grad Celsius sinken. Die meist dicken Blätter können sehr viel Wasser speichern, sodass er auch verzeiht, wenn man einmal das Gießen vergisst. Im Gegenteil, diese Pflanze sollte nicht so häufig gegossen werden. Im Winter kann der Jadebaum gut und gern zwei Wochen ohne Wasser auskommen.

Wichtig für eine otpimale Pflege ist ausreichend Licht und ein heller Standort.

Bonsai Anfänger: Der Jadebaum mit seinen fleischigen Blättern eignet sich gut.

Bonsai Anfänger: Der Jadebaum mit seinen fleischigen Blättern eignet sich gut.(#07)


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