Tulpenzwiebeln, die verwildern – eine Wissenschaft? Ganz und gar nicht.

Gepostet am 3. September 2014

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Wer im Frühling gleich von Anfang an üppige Beete mit vielen bunten Blumen haben möchte, der muss im Herbst „einen Kniefall machen“ und massenhaft Zwiebeln und Frühjahrsblüher pflanzen. Zumindest glauben das viele Hobbygärtner. Stimmt aber gar nicht. Denn sogar Tulpenzwiebeln lassen sich verwildern.

Auch Tulpenzwiebeln lassen sich verwildern. Hier können Sie lesen, was zu tun ist, damit Sie von Ihren Tulpen mehr haben, als nur ein Jahr.

Auch Tulpenzwiebeln lassen sich verwildern. Hier können Sie lesen, was zu tun ist, damit Sie von Ihren Tulpen mehr haben, als nur ein Jahr.

Mit Planung und Know-How fällt die mühsame Pflanzarbeit nämlich nur einmal an und trotzdem hat man jedes Jahr wiederkehrende Freude an üppigen Beeten spätestens ab März/April. Der Trick dabei: robuste Sorten, die sich zum Verwildern eignen, im Boden das ganze Jahr überdauern und zuverlässig wiederkommen.

„Kunststück“ wird jetzt mancher erfahrene Gärtner sagen, bei Narzissen, Krokussen, Winterlingen, Schneeglöckchen und Traubenhyazinthen ist das einfach, denn bei diesen Arten verwildern die meisten Sorten. Aber was tun, wenn man Tulpen liebt? Die Tulpe gilt in unseren Breitengraden als etwas zickig, ähnlich wie Schachbrettblumen (Fritillaria). Die meisten Sorten verabschieden sich nach einer einzigen Blühsaison sofort wieder aus den Beeten – sogar Wildtulpen. Manchmal hilft es, wenn man sie nach der Blüte wieder ausgräbt, trocken lagert und im Herbst erneut einbuddelt. Aber diese Methode hat so ihre Tücken:

Blumenzwiebeln mehrmals verwenden

Erstens muss man wochenlang das welke Laub in den Beeten stehen lassen, damit die Tulpenzwiebeln Nährstoffe fürs nächste Jahr einlagern können (das ist übrigens bei allen anderen Blumenzwiebeln ähnlich – wer also übereifrig für Ordnung sorgt und sofort nach der Blüte das Laub abschneidet, der darf sich nicht wundern, wenn im kommenden Jahr der Blütenreigen ausbleibt).

Zweitens sind die Zwiebeln beim Lagern ein bisschen kompliziert – ist es zu feucht, dann schimmeln sie, ist es zu heiß, dann vertrocknen sie. Beides vernichtet die Tulpe.

Drittens muss man die Zwiebeln jedes Jahr aufs Neue einpflanzen, ausbuddeln und wieder einpflanzen… Wer das regelmäßig macht, braucht eine verschleißfreie Bandscheibe, gute Knieschützer, viel Seife (zum Händeschrubben) und noch mehr Zeit.

Tulpen jeden Herbst neu pflanzen

Eine mögliche Alternative ist zwar etwas weniger arbeitsintensiv, dafür aber teurer: Man lässt die Zwiebeln nach der Blüte einfach im Boden (wo sie meistens verfaulen oder von Wühlmäusen gefressen werden), kauft jeden Herbst neue um sie einzupflanzen (immerhin ein Kniefall weniger pro Jahr, weil das Ausbuddeln entfällt). Wie also schont man sowohl den Rücken als auch den Geldbeutel? Durch richtige Sortenauswahl!

Tulpen in der richtigen Sortierung erfolgreich verwildern

Es gibt nämlich durchaus etliche Tulpen, die sich auch mit unseren klimatischen Verhältnissen anfreunden können und mehrere Jahre durchhalten. Insbesondere bei den sehr aparten lilienblütigen Tulpen gibt es eine ganze Menge Sorten und Farben, die im Boden bleiben können und trotzdem wiederkommen oder sich sogar vermehren. Auch Fosteriana- und Triumph-Tulpen ebenso wie manche Darwin-Hybriden sind von dauerhafterer Natur als andere Sorten. Zugegeben: gefüllt blühende Tulpen, gefranste Papageientulpen und andere ausgefalle Züchtungen sind als Dauerhafte nicht zu haben. Aber eigentlich sind die ganz klassisch, schalenförmig aufblühende Tulpen sowieso am schönsten und locken außerdem gleich die ersten Insekten an, die mit Summen und Brummen ebenfalls Frühlingsgefühle wecken.

Optimale Bedingungen für verwildernde Tulpen

Wer sich nicht nur einmal, sondern über mehrere Jahre an den Blüten seiner Arbeit erfreuen will, der sollte beim Pflanzen jedoch noch ein paar Regeln beachten: Die allermeisten Tulpen mögen es vollsonnig und eher trocken. Also bitte keine Tulpenbeete zwischen Hortensien (Hydrangea) anlegen, die im Halbschatten stehen und im Sommer heftig gewässert werden wollen – dort fault auch die robusteste Tulpenzwiebel. Am besten ist ein Standort zwischen trockenheitsverträglichen, anspruchslosen Stauden oder Sommerblumen, die außerdem den Vorteil haben, dass sie das welkende Tulpenlaub schnell überdecken. Ideal sind beispielsweise Kombinationen aus Pfingstrosen (Paeonia) und Tulpen, Taglilien und Tulpen oder einjährig ausgesäten Sommerblumen (Kosmeen, Zinnien, Jungfer im Grünen etc.) und Tulpen.

Wenn der Standort stimmt, ist nur noch eines zu beachten: bei jeder gepflanzten Zwiebel eine kleine Schippe Sand unten ins Pflanzloch geben – Tulpen hassen Staunässe und der Sand sorgt dafür, dass die Zwiebeln nicht so schnell verfaulen. Wer Wühlmäuse im Garten hat, sollte außerdem kleine Drahtkörbe vorbereiten (z.B. aus billigem Hasendraht), in die er die Zwiebeln pflanzt. Das war’s eigentlich schon. Ach ja: Übertriebenes Hacken, Umgraben und ähnliche Arbeiten sollte man in diesen Beeten möglichst unterlassen, weil man damit die Zwiebeln beschädigen kann.

Zuguterletzt noch eine kleine Sortenauswahl:

Tulpe Shirley eignet sich sehr gut zum Verwildern.

Tulpe Shirley eignet sich sehr gut zum Verwildern.

Auch edle purpurfarbene Tulpen gibt es, die sich gut verwildern lassen.

Auch edle purpurfarbene Tulpen gibt es, die sich gut verwildern lassen.

  • In unterschiedlichen Nuancen von Pink und Rosa blühen z.B. die lilienblütigen „Tulipa Claudia“, „Tulipa Purple Dream“, „Tulipa Marietta“ und „Tulipa China Pink“ ebenso wie die Darwintulpe „Pink Impression“ und die Triumphtulpe „Don Quichotte“.
  • Eine große Auswahl gibt es bei weißen Tulpen. Die reinweißen Sorten Tulipa Sapporo, White Triumphator und Purissima werden ergänzt durch Tulipa-Sorten, deren weiße Blüte zusätzlich rosa geflammt oder von einem zarten rosa Hauch überzogen ist (z.B. Holland Chic, Marylin, Flamming Purissima und Shirley).
  • In Orange blühen Tulipa Ballerina, Lilyfire, Princess Irene und Orange Emperor.
  • In Rot erstrahlen Tulipa Lasting Love, Parade, Ad Rem oder Madame Lefebre.
  • Mit gelber Blüte erhältlich sind Tulipa West Point, Golden Apeldoorn und Yellow Purissima.
  • Edle Purpur- und Violett-Töne zeigen die Sorten Tulipa Burgundy, Coleur Cardinal und Negrita.

Erhältlich sind diese Tulpen bei gut sortierten Gärtnereien oder auch bestellbar in vielen Online-Shops. Jetzt heißt es nur noch: Viel Tulpen-Spaß im nächsten (und übernächsten und über-übernächsten) Frühling!


Bildnachweis: © orangefarbene Tulpen: www.morguefile.com – rosevita, purpurfarbene Tulpe: www.morguefile.com – sylwka112, weiße Tulpe: www.morguefile.com – Djb78

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Über 

Anja Baier ist freiberufliche Autorin und Werbetexterin. Sie gärtnert seit fast dreißig Jahren – anfangs auf den Balkons diverser Mietwohnungen, mittlerweile auf dem eigenen ca. 1000 qm großen Grundstück. Weil sie mit den eher oberflächlichen Hobbygärtner-Infos aus Büchern und Zeitschriften immer weniger zufrieden war, hat sie sich inzwischen durch mehrere Regalmeter Fachliteratur gearbeitet und dabei fleißig botanische Namen gebüffelt. Dennoch bezeichnet sie sich selbst als „faule Gärtnerin“.