Baum fällen: Anleitung zum Bäume richtig fällen

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Ab und zu muss ein Baum gefällt werden. Professionelle Baumfällung ist einfach und sicher – kann aber auch teuer werden. Um Geld zu sparen, greifen viele schnell zur eigenen Motorsäge. Doch beim Baumfällen gibt es einiges zu beachten.

Einen Baum darf man nicht einfach so fällen

Das Fällen von Bäumen ist normalerweise die Ausnahme, denn die Erhaltung der natürlichen Umgebung sollte in Jedermanns Interesse liegen. Trotzdem gibt es manchmal gute Gründe, einen Baum fällen zu lassen oder dies selbst zu erledigen. Morsche Bäume stellen beispielsweise eine Gefahr dar und können beim nächsten Sturm zum Problem werden. Aber manchmal stören sie auch einfach beim Bau eines Hauses oder aus anderen Gründen. Ist die Entscheidung gefallen und gibt es keine Alternative zum Fällen, kann man aber nicht einfach so loslegen. In Deutschland gibt es Naturschutzgesetze, die sich mit diesem Thema eingehend beschäftigen.

Je nach Bundesland (und manchmal auch abhängig von Stadt oder Gemeinde, in der man lebt) gibt es unterschiedliche Bestimmungen zum Baumfällen. Gerade in dicht besiedelten Gebieten ist der Bestandsschutz für Bäume wichtig und wird oft höher eingestuft als persönliche Interessen eines Grundstückeigentümers. Zunächst muss man sich also erkundigen, ob ein Fällen überhaupt infrage kommt, und falls ja, wann und wie eine Baumfällung durchgeführt werden darf.

Wichtige Parameter dafür sind folgende:

  • Bäume werden generell nur im Winter gefällt, sofern keine Gefahr im Verzug ist. Der Zeitraum zwischen Anfang November und Ende Januar ist hierfür die Regel.
  • Nicht fällen darf man Bäume von März bis September, um Vögel und andere Tiere zu schützen, die in Bäumen ihre Behausungen bauen. Einzelheiten regelt das Bundesnaturschutzgesetz.
  • In sehr dicht besiedelten Gebieten ist eine Baumfällung oft durch zusätzliche Bestimmungen untersagt, wenn der Baum sehr hoch oder ein bestimmtes Alter erreicht hat. Die meisten Naturschutzbehörden haben hierfür je nach Baumart einen bestimmten Stammumfang festgelegt. Ist dieser erreicht, darf der Baum nicht gefällt werden. Genaue Werte legen die Städte selbst fest, unterschieden wird zudem zwischen Laub- und Nadelbäumen.
  • Ausnahmegenehmigungen werden erteilt, wenn Bäume krank sind und möglicherweise eine Gefahr darstellen. Unter Umständen muss man sogar Bäume im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht fällen lassen, wenn von ihnen eine erhöhte Gefahr ausgeht. Auch für bestimmte Bauprojekte werden oft Ausnahmegenehmigungen erteilt.
  • Ist der Standort eines Baums nicht eindeutig einem einzelnen Grundstück zuzuordnen (z. B. direkt auf der Grundstücksgrenze), müssen alle Maßnahmen mit dem Nachbarn abgestimmt werden.
Das Fällen von Bäumen ist normalerweise die Ausnahme, denn die Erhaltung der natürlichen Umgebung sollte in Jedermanns Interesse liegen.

Das Fällen von Bäumen ist normalerweise die Ausnahme, denn die Erhaltung der natürlichen Umgebung sollte in Jedermanns Interesse liegen. (#01)

Illegale Baumfällungen können sehr teuer werden

Pauschale Empfehlungen hinsichtlich Baumumfang und anderer Regeln können nicht gegeben werden, da fast jede Stadt ihre eigenen Vorgaben beim Bäume fällen macht. Auskunft erteilen die zuständigen Naturschutzbehörden. Die einzelnen Bundesländer stellen im Internet umfassende Informationen zu diesem Thema bereit. In Hessen kann man sich beispielsweise hier erkundigen, wenn ein Baum gefällt werden soll. Nicht unterschätzen sollte man übrigens die Bußgelder für Verstöße.

Wer glaubt, dass er einfach so davon kommt, wenn er einmal Tatsachen geschaffen und einen Baum gefällt hat, irrt sich. Die Bußgelder für illegale Baumfällungen können je nach Bundesland und Schwere des Verstoßes zwischen 50 Euro und 100.000 Euro liegen. Je nach Bundesland fallen die Bußgelder sehr unterschiedlich aus. Einen Überblick über Richtwerte sowie die allgemeine Gesetzeslage beim Fällen von Bäumen gibt kann man sich hier verschaffen.

Kosten für professionelle Baumfällung variieren nach Aufwand

Ist die Frage nach der Genehmigung geklärt, kann man den Baum fällen. Beauftragt man einen professionellen Baumfäller, ist das die sicherste und bequemste Variante – aber auch die teuerste. Kosten fallen nicht nur für das reine Fällen an, sondern auch für alle Vor- und Nacharbeiten, den eventuellen Abtransport des gefällten Baumes und so weiter.

Zusätzliche Kosten können bei besonders schwierigen örtlichen Gegebenheiten entstehen und nicht zuletzt berechnen die Dienstleister die Kosten nach der Größe des Baumes und dem damit verbundenen Aufwand. Es lohnt sich daher auf jeden Fall, zuvor Kostenvoranschläge von mehreren Anbietern einzuholen. Die können oft bereits im Vorfeld eine Einschätzung dazu geben, ob eine Genehmigung erteilt wird bzw. sich um die notwendigen Formalitäten hierzu kümmern (gegen Aufpreis).

Obwohl genaue Kosteneinschätzungen pauschal nicht möglich sind, gibt es gewisse Erfahrungswerte.

  • Genehmigung für die Baumfällung: ca. 50 bis 100 Euro
  • eigentliche Baumfällung: ca. 300 bis 400 Euro (je nach Größe)
  • evtl. Entfernung der Baumwurzel, Weiterverarbeitung des Stamms zu Brennholz, Abfuhr von Laubwerk, Ästen etc.: ca. 400 bis 500 Euro

Hinzu kommen eventuelle Sicherungsmaßnahmen (z. B. bei Hanglage oder anderen schwierigen örtlichen Gegebenheiten).

Ist die Frage nach der Genehmigung geklärt, kann man den Baum fällen.

Ist die Frage nach der Genehmigung geklärt, kann man den Baum fällen.(#02)

Trotz Kosten: Sicherheit geht beim Baumfällen immer vor!

Wer diese Kostenvoranschläge sieht, fragt sich natürlich, ob man einen Baum nicht auch selbst fällen kann. Immerhin gibt es günstige Motorsägen in jedem Baumarkt und Bäume werden seit Jahrtausenden gefällt. Tatsächlich kann man in vielen Fällen selbst Hand anlegen, doch dabei sollte man ein besonderes Augenmerk auf die richtige Fälltechnik legen. Überhaupt spielt die Sicherheit bei einem solchen Vorhaben die entscheidende Rolle. Nicht nur der richtige Umgang mit der Motorsäge, sondern auch die richtige Schutzkleidung und andere Sicherungsmaßnahmen sind beim Baumfällen essentiell.

Will man einen Baum fällen, der sich auf einem nicht eingezäunten Gebiet befindet (etwa in einem frei zugänglichen Waldstück), muss man noch sorgsamer auf ausreichende Sicherungsmaßnahmen achten. Ansonsten könnte man Unbeteiligte gefährden. Immer vorausgesetzt wird selbstverständlich die erforderliche Genehmigung – einfach losziehen und auf eigene Faust irgendwelche Bäume zu fällen (etwa zu Übungszwecken), kann sehr teuer werden.

Besser ist es, den Umgang mit der Motorsäge professionell zu erlernen. Ein Motorsägenlehrgang ist dann zu empfehlen, wenn man das Baumfällen regelmäßig durchführen möchte (etwa bei großen Grundstücken mit hohem Baumanteil, z. B. für die Beseitigung von Sturmschäden) oder auch in beruflicher Hinsicht ab und zu Bäume fällen muss. Dann kommen die umfassenden Richtlinien zum Arbeitsschutz zum Tragen, die unbedingt beachtet werden sollten.

Die Sicherheit geht über alles. Das gilt ganz besonders für den Eigenschutz. Ordentliche Schutzkleidung und eine vollständige, funktionierende Sicherheitsausrüstung von professionellen Ausstattern sollte unbedingt vorhanden sein. Selbst wenn man nur einen Baum fällen möchte, darf man an der Sicherheit nicht sparen!

Zu einer vollständigen Schutzausstattung gehören unter anderem:

  • Schutzhelm mit Schutzvisier
  • Schutzbrille
  • Arbeitshandschuhe
  • Gehörschutz
  • feste Kleidung und festes Schuhwerk (empfohlen: Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen)

Bei häufigeren Arbeiten mit Motorsägen sollte man außerdem in diese spezielle Sicherheitskleidung investieren:

  • Schnittschutzhose
  • Scnittschutzschuhe
  • Schnittschutzhandschuhe

Diese Schutzkleidung schützt nicht nur bei Unfällen mit der Säge, sondern auch vor umherfliegenden Splittern oder Sägespänen, die durch die immense Beschleunigung beim Arbeiten mit der Motorsäge zu gefährlichen Geschossen werden können.

Besser ist es, den Umgang mit der Motorsäge professionell zu erlernen.

Besser ist es, den Umgang mit der Motorsäge professionell zu erlernen.(#03)

Schritt für Schritt: So fällt man einen Baum

Sind vollständige Sicherheitsausstattung sowie Grundkenntnisse im Umgang mit der Motorsäge vorhanden, kann man einen Baum durchaus selbst fällen. Zunächst sollte dabei die Ausgangslage beurteilt werden. Hierfür sind folgende Fragen zu klären:

  • Welche örtlichen Gegebenheiten können zu Komplikationen führen? Besteht eine Hanglage? Steht der Baum schief? Liegt der Schwerpunkt der Baumkrone ungünstig für die gewünschte Fallrichtung?
  • Ist der Baum eventuell bereits instabil (z. B. durch Pilz- oder Schädlingsbefall)?
  • Ist genügend Plaz für die Baumfällung vorhanden? Prüfen Sie nicht nur die Platzverhältnisse in der gewünschten Fallrichtung, sondern auch in der sonstigen Umgebung (Nachbargrundstück, öffentlicher Gehweg etc).
  • Liegen alle erforderlichen Genehmigungen vor? Fragen Sie im Zweifel bei der zuständigen Naturschutzbehörde nach, auch wenn es sich um das eigene Grundstück handelt!
  • Auf Eigensicherung achten – auch nach der eigentlichen Fällung ist das Arbeiten am Baum gefährlich.
  • Umfassende Absicherung des Gefahrenbereichs: Rund um den Baum sollte im Radius der zweifachen Baumlänge abgesperrt werden. Unbeteiligte dürfen sich nicht im Gefahrenbereich aufhalten. Das Aufstellen von Warnschildern und die Nutzung von Absperrband ist dringend zu empfehlen
  • Eine Absicherung mit einem Halteband bzw. einem entsprechenden Seil, das den Baum in die gewünschte Fallrichtung ziehen soll, ist vor allem bei großen Bäumen sinnvoll. Achten Sie unbedingt auf die Größe der Krone; liegt der Schwerpunkt in einer anderen Richtung, kann der Baum nicht ohne zusätzliche Maßnahmen in die gewünschte Richtung fallen.
Das eigentliche Fällen erfordert eine professionelle Schnitttechnik. Zunächst wird eine sogenannte Fallkerbe gesägt.Das eigentliche Fällen erfordert eine professionelle Schnitttechnik. Zunächst wird eine sogenannte Fallkerbe gesägt.

Das eigentliche Fällen erfordert eine professionelle Schnitttechnik. Zunächst wird eine sogenannte Fallkerbe gesägt.(#04)

So fällen Sie einen Baum mit professioneller Schnitttechnik

Das eigentliche Fällen erfordert eine professionelle Schnitttechnik. Zunächst wird eine sogenannte Fallkerbe gesägt. Diese Kerbe wird auf der Seite des Baums eingesägt, auf die der Baum fallen soll. Die waagerechte Kerbe (Fallkerbsohle) sollte etwa ein Drittel der Stammstärke ausmachen. Das sogenannte Fallkerbdach ist ein zweiter Schrägschnitt, der anschließend von oben angesetzt bis zur Fallkerbsohle geschnitten wird. Dadurch entsteht ein Keil, der aus dem Stamm herausgetrennt wird. Der eigentliche Fällschnitt wird nun auf der entgegengesetzten Seite des Fallkerbs gemacht.

Wichtig: Nicht durchgehend bis zum Fallkerb schneiden. Man lässt einen schmalen Steg in der Mitte des Stamms stehen, der beim Fallen quasi als Scharnier dient. Um ein Schließen des Fällschnitts zu verhindern, kann man zusätzlich einen Keil in den Schnitt schlagen. Sollte der Baum anschließend nicht von selbst fallen, kann man ihm mit einigen gezielten Schlägen auf den Keil einen Schubs geben. Im Zweifel muss der Fällschnitt aber noch etwas vertieft werden.

Wichtig: Sollte der Stamm nicht wie gewünscht abknicken oder sogar beim Fallen splittern, steht er häufig unter einer gewaltigen Spannung. Schneidet man dann unbedacht in das unter Spannung stehende Holz, können schwerste Verletzungen durch zurückschlagende Teile von Ästen oder des Stamms entstehen. Je größer der Baum, umso eher ist das Fällen etwas für einen Experten. Besonders das Einschätzen der Fallrichtung kann in komplexen Situationen (z. B. in bebauten Gebieten) schwierig sein.

Die physikalischen Gesetze (wie die Ermittlung des Schwerpunkts der Baumkrone) lassen sich auch nicht durch ein Seil außer Kraft setzen. Nach erfolgreicher Fällung muss man beim Zerlegen des Stamms mit Bedacht vorgehen, um etwaige Spannungsbrüche und Spilttern zu vermeiden. Das spätere Zerlegen ist mithilfe eines Holzspalters oft einfacher.

Video: Baum fällen

Fazit: Einen Baum zu fällen ist kein Hexenwerk, wenn man es richtig macht

Man kann einen Baum durchaus selbst fällen, wenn man die richtige Fälltechnik anwendet und alle Sicherheitsregeln beachtet. Das ist nicht nur aus rechtlicher Hinsicht zu empfehlen (z. B. um Schäden beim Nachbarn zu vermeiden), sondern auch aus gesundheitlicher Sicht unerlässlich. Gute Ausrüstung beginnt bei der Motorsäge und endet bei der Schutzkleidung. Insbesondere bei häufiger anfallenden Arbeiten mit der Säge sollte man in gute Schutzausrüstung investieren. Bevor man einen Baum fällt, muss man zudem die erforderlichen Genehmigungen einholen, denn sonst kann es sehr teuer werden.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: _ Chelle129  -#01: Dmitry Kalinovsky  -#02: Dmitry Kalinovsky  -#03: fabiodevilla -#04: Mikhail Olykainen

About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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