Weihrauch: Im Garten & der Medizin

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Beim Wort Weihrauch denken viele an den typischen Duft in der Kirche. Doch Weihrauch kann noch mehr: Das getrocknete Harz des Weihrauchbaumes wird auch für medizinische Zwecke eingesetzt.

Was ist Weihrauch überhaupt?

Bei Weihrauch handelt es sich einen Begriff, welcher für zweierlei Dinge verwendet wird. Einerseits bezeichnet Weihrauch den charakteristischen Rauch, welcher durch das Verbrennen des Harzes entsteht. Andererseits wird auch das getrocknete Harz des Weihrauchbaumes als Weihrauch bezeichnet, um welches sich dieser Text vornehmlich dreht. Das luftgetrocknete Gummiharz der verschiedenen Weihrauchbäume (Boswellia serrata, Boswellia sacra, Boswellia papyrifera, Boswellia frereana) wird bereits seit mehreren Jahrtausenden für heilkundliche Zwecke verwendet und verfügt über ein besonderes Aussehen: Das getrocknete Harz zeigt sich grobkörnig und verfügt über eine braune bis gelbrote Farbe. Die Qualität des Harzes hängt dabei vom individuellen Standort des Baumes ab.

Die Mehrheit des Weihrauches kommt aus Arabien, Indien, Äthiopien, Sudan und anderen afrikanischen Ländern. Die Gewinnung des Weihrauchharzes erfolgt dabei in zwei Schritten: Zunächst werden zwischen März und April Schnitte in den Stamm eingefügt, die dazu führen, dass der Baum ‚blutet‘. Das Harz läuft an die Außenseite des Stammes und kann dort trocknen. Jedoch wird jenes Weihrauchharz in der Regel nicht für die Gewinnung von qualitativ hochwertigem Weihrauch gewonnen. Dieses wird abgenommen und schließlich das Harz, welches im zweiten Schritt nachläuft, für die Produktion von Heilmitteln und Co. benutzt. Je nach Größe und Alter des Baumes kann dann bis zu maximal zehn Kilogramm Weihrauchharz gewonnen werden.

 

Das Harz des Weihrauchbaumes kann auf eine lange heilkundlich eingesetzte Tradition zurückblicken: Bereits im alten Griechenland wurde Weihrauch eingesetzt, um Erkrankungen der Atemwege zu behandeln. (#01)

Das Harz des Weihrauchbaumes kann auf eine lange heilkundlich eingesetzte Tradition zurückblicken: Bereits im alten Griechenland wurde Weihrauch eingesetzt, um Erkrankungen der Atemwege zu behandeln. (#01)

Die heilkundliche Bedeutung von Weihrauch

Das Harz des Weihrauchbaumes kann auf eine lange heilkundlich eingesetzte Tradition zurückblicken: Bereits im alten Griechenland wurde Weihrauch eingesetzt, um Erkrankungen der Atemwege zu behandeln. Die heutige Medizin bzw. das Europäische Arzneibuch sieht lediglich die Verwendung des Harzes des indischen Weihrauchbaumes (Boswellia serrata) vor. Der Einsatzbereich der modernen Medizin setzt Weihrauchkapseln (beispielsweise von Zeinpharma) für die Behandlung von chronischen Entzündungen ein. Dazu zählen vor allem Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Polyarthritis. Junge Studien weisen eine Wirksamkeit der weihrauchhaltigen Präparate bei den genannten Krankheitsbildern nach.

Auch zur Therapie von Asthma wurde Weihrauch bereits eingesetzt. Klinische Studien konnten hierbei aber keine ausreichenden Nachweise über die Wirksamkeit liefern. Wo sich Weihrauch bereits in vitro als positiv beeinflussend erwies, sind verschiedene Arten von Krebsleiden bzw. Tumorzelllinien, wie beispielsweise Melanome. Ferner konnten diverse klinische Studien die Wirksamkeit von Weihrauch auf das Begleitödem von Hirntumoren nachweisen. Die Boswelliasäuren gelten als Wirkstoff Nummer 1. Eine besonders hohe Konzentration findet sich im genannten indischen Weihrauch, der aus diesem Grund auch im Europäischen Arzneibuch festgehalten ist.

Weihrauch selbst anbauen – geht das überhaupt?

Auch wenn der Weihrauch ursprünglich aus wesentlich wärmeren und sonnigeren Gefilden kommt, ist es möglich, ihn auch in unseren Breitengraden anzubauen. Allerdings sollte beachtet werden, dass der Weihrauch, welcher im Garten gepflanzt wird (Plectranthus coleoides), nicht mit dem Weihrauch (Boswellia) zu verwechseln ist, der für medizinische Zwecke verwendet wird – bei dem einen handelt es sich um eine Zierpflanze, bei dem anderen um eine Heilpflanze. Entsprechend sollte auch davon abgesehen werden, das Harz der Pflanze zu konsumieren. Für diesen Fall empfehlen sich handelsübliche Weihrauchkapsel, die tatsächlich auf den echten indischen Weihrauch zurückgreifen. Der Plectranthus coleoides, also die Zierpflanze ist aber dennoch eine wunderschöne Bereicherung für den Garten!

Der Duft der Zierpflanze ähnelt dem des ‚echten‘ Weihrauches und sorgt besonders im Sommer dafür, dass der Garten weniger von Stechmücken heimgesucht wird. Die Mücken mögen den intensiven Geruch der Zierpflanze nicht und nehmen aus diesem Grund Abstand vom Garten – ideal für laue Nächte auf der Terrasse! Der Zier-Weihrauch sieht dabei nicht nur besonders dekorativ aus, sondern ist also auch eine aromatische Bereicherung, welche den Garten zu einer Wohlfühloase macht. Generell mag es der Zier-Weihrauch hell und sonnig, wobei er relativ anspruchslos ist, was die Beschaffenheit des Bodens angeht: Einzig regelmäßiges Düngen und ein durchlässiger Boden sollten dem Plectranthus coleoides geboten werden. Ein regelmäßiges Wässern der Pflanze ist Pflicht, damit der Wurzelballen nicht austrocknet.

Auch wenn der Weihrauch ursprünglich aus wesentlich wärmeren und sonnigeren Gefilden kommt, ist es möglich, ihn auch in unseren Breitengraden anzubauen.(#02)

Auch wenn der Weihrauch ursprünglich aus wesentlich wärmeren und sonnigeren Gefilden kommt, ist es möglich, ihn auch in unseren Breitengraden anzubauen.(#02)

Zier-Weihrauch pflanzen und selbst kultivieren

Auch wenn beim Zier-Weihrauch regelmäßiges Gießen unbedingt bedacht werden sollte, ist es ratsam, Staunässe zu vermeiden. Ein wenig Fingerspitzengefühl braucht es also für den Anbau von Weihrauch. Ebenso viel Feingefühl ist für das Setzen notwendig. Der Plectranthus coleoides ist nicht winterfest und sollte erst im Mai, wenn also kein Bodenfrost mehr zu erwarten ist, nach draußen gesetzt werden. Dabei kann er in den Garten oder aber auch in Blumenkästen gepflanzt werden. Ein Umtopfen ist nur dann erforderlich, wenn der Pflanzkasten zu klein geworden ist. Generell ist es stets empfehlenswert, den Weihrauch nach dem Überwintern in einen neuen Blumentopf zu setzen, denn dann sind die Weichen bereits gestellt, dass die Pflanze voller Elan loswächst.

Um das Ganze zu unterstützen, kann und sollte sogar zusätzlich gedüngt werden. Es empfiehlt sich, ab Mai bis etwa Ende August alle zwei Wochen dem Gießwasser Flüssigdünger zuzusetzen. Ebenfalls besteht die Option, einen Langzeitdünger in die Erde zu geben und als Wachstumsturbo im Abstand von zwei Monaten einmal flüssig zu düngen. Wie Sie sich dabei entscheiden, bleibt Ihnen überlassen. Da der Zier-Weihrauch nicht winterfest ist, sollte er, sobald die kalte Jahreszeit beginnt, in ein Winterquartier gebracht werden. Sitzt der Weihrauch fest im Garten kann er entweder ausgegraben werden oder es können Stecklinge für die Anzucht abgeschnitten werden. Die Anzucht der Stecklinge zeigt sich auch für Gartenanfänger besonders einfach und kann in wenigen Schritten selbst verwirklicht werden.

Auch zur Therapie von Asthma wurde Weihrauch bereits eingesetzt. Klinische Studien konnten hierbei aber keine ausreichenden Nachweise über die Wirksamkeit liefern. (#03)

Auch zur Therapie von Asthma wurde Weihrauch bereits eingesetzt. Klinische Studien konnten hierbei aber keine ausreichenden Nachweise über die Wirksamkeit liefern. (#03)

Zier-Weihrauch vermehren durch Stecklinge

Der Plectranthus coleoides verfügt über lange Ranken, die als Stecklinge dienen und zur Vermehrung verwendet werden können. Dafür werden von den langen Enden der Ranken Stücke abgeschnitten, die etwa fünf bis zehn Zentimeter lang sind. Befinden sich Blätter an den Stecklingen, dann sollten diese abgeschnitten bzw. entfernt werden. Achtung: Dabei die Stecklinge nicht zu intensiv bearbeiten. Der beste Zeitpunkt für die Vermehrung des Zier-Weihrauchs ist zu Beginn der Pflanzsaison im Frühling – also rechtzeitig daran denken! Die bearbeiteten Stecklinge müssen nun in einen Blumentopf mit Erde, am besten Anzuchterde, gegeben werden. Wenn sie an einem warmen und hellen Ort stehen, sprießen die Stecklinge munter los. Achten Sie darauf, dass die Stecklinge keine direkte Sonneneinstrahlung aushalten müssen.

Empfehlenswert ist es außerdem, gleich mehrere Stecklinge in einen Topf zu geben. So haben die einzelnen Pflänzchen weniger Platz und bilden kompakte Wurzelballen, welche später leichter versetzt werden können. Auch die äußere Form der Pflanze wirkt buschiger und gedrungener, was später ein schöneres Äußeres ergibt. Wie bei anderen Ablegern und Stecklingen auch sollte die Erde gleichmäßig feucht gehalten werden, denn so können die Stecklinge am besten austreiben. Auch hier sollte Staunässe vermieden werden – die Gefahr ist sonst groß, dass die Miniwurzeln beginnen zu verfaulen. Nach rund vier bis acht Wochen haben die Stecklinge genügen Wurzeln gebildet und können einzeln gesetzt werden. Achten Sie unbedingt darauf, dass die kleinen Pflänzchen keinem Frost ausgesetzt sind, die Pflanzen könnten sonst absterben!


Bildnacheis:© Fotolia-Titelbild:Patrik Dietrich-#01: PhotoSG -#02:jbphotographylt-#03: jbphotographylt

Über den Autor

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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